Warum Dranbleiben mehr ist als Ziele erreichen – ein entspannter Aufruf für langfristiges Planen
⏱️ Lesezeit: 10 Minuten

Ich bin eine Meisterin neuer Projekte und spontaner Ideen, die mir hoffentlich helfen, eins meiner Ziele zu erreichen. Und meine Pläne dafür sind meist auch richtig gut.
Aber dann geht das übliche Veränderungs-Dilemma los: Wann fang ich an? Hab ich alles? Ach, morgen klappt’s nicht. Was mache ich, wenn es nicht genauso funktioniert, wie ich es geplant hatte?
Das 1×1 der Durchhalte-Blockaden hat mein Gehirn immer sofort parat – seltsam eigentlich, denn manches andere kann ich mir echt schlecht merken. Aber auf Dauer nervt es einfach, gegen die Diva im eigenen Kopf anzureden.
Deshalb habe ich meinen Umgang mit dem Dranbleiben verändert. Nicht weil ich faul bin, sondern weil ich keine Lust mehr auf kurzfristige Motivation und langfristigen Frust hatte. Stattdessen habe ich Wege gesucht, wie ich entspannt und ehrlich meine Pläne durchziehen kann – auch wenn das Leben mal wieder dazwischenfunkt.
Was das Dranbleiben ausmacht
Warum uns kurzfristige Ziele & 30-Tage-Pläne so anziehen
An verschiedenen Stellen wird uns gerne mal eingeredet, dass wir nur kurz und intensiv die Zähne zusammenbeißen müssen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, und damit beinahe automatisch das Leben bekommen werden, das wir uns wünschen.
Meine persönliche Meinung dazu: Das ist Quatsch. Zumindest so, wie es häufig dargestellt wird.
Die Lifestyle-Industrie liebt kurzfristige Ziele und Vorsätze, weil sie perfekt zu ihrem Geschäftsmodell passen. Verkaufe ein 30-Tage-Projekt, lass die Leute scheitern, verkaufe das nächste. Rinse and repeat.
Oder die motivierten Menschen ziehen 30 Tage lang richtig durch, geben alles und fühlen sich danach wunderbar. Nur um im Alltag langsam, aber sicher wieder in alte Verhaltensweisen abzudriften und nach ein paar Monaten wieder dazustehen, wo sie vorher waren. Papierberg wieder da, Kilos wieder da, schlechte Laune zurück. Nächster 30-Tage-Plan gesucht.
Manche Probleme bleiben einfach ungelöst, wenn man nicht dauerhaft ein bisschen was dafür bewegt. Das muss nicht jeden Tag sein, aber es muss langfristig immer wieder passieren.
Der Unterschied? 15 kg abnehmen ist ein Projekt-Ziel ohne Nachhaltigkeit. Dauerhaft 15 kg weniger wiegen ist eine langfristige Lebensentscheidung, die uns zufriedener machen kann.
Dranbleiben ohne Stress: Vier Schritte, die mir bei langfristigen Veränderungen helfen
Dranbleiben wird leider oft wahrgenommen wie eine Leistung, die wir erbringen müssen. Ich sehe es anders: Für mich ist es ein Prozess, den ich gestalte – angepasst an mein echtes Leben. Nicht an irgendwelche optimierten Versionen davon. Und wenn er mir nicht mehr taugt oder ich häufiger scheitere, als ich weiterkomme, dann muss der Prozess eben geändert werden.
Hier sind die vier Dinge, die ich immer berücksichtige, um langfristig dranzubleiben:
1. Wähle Ziele, die zu deinem echten Leben passen
Nicht zu dem Leben, das du erstrebenswert findest, aber das völlig unrealistisch ist. Zu deinem. Mit deinen Arbeitszeiten, deiner Wohnsituation, deinem Energielevel. Wie du Ziele findest, die dich glücklich machen, habe ich in diesem Artikel beschrieben.
Ich möchte immer gerne mehr Kontakt zu meinen Freundinnen und Verwandten halten, aber ich weiß einfach, dass ich nicht ständig die Energie dazu habe. Also schraube ich meine Erwartungen etwas runter und nehme mir hin und wieder ein Telefonat vor. Das ist machbar und ich muss nicht vor lauter Aufschieberitis in schlechtem Gewissen vor mir selbst versinken (denn andere wissen von meinen Plänen ja gar nichts).
2. Baue Systeme statt kurzfristiger Pläne
Ein kurzfristiges Ziel endet. Ein System läuft. Wenn du jeden Montag deine Woche planst, ist das ein System. Wenn du jeden Abend 10 Minuten aufräumst, ist das ein System. Wenn du dreimal die Woche Sport machst (egal welchen), ist das ein System.
Bei mir sieht das zum Beispiel so aus: Ich habe früher versucht, mit großen Aufräumaktionen dauerhaft Ordnung zu schaffen – funktioniert für mich nicht. Heute hat fast jeder Gegenstand bei mir einen festen Platz, damit ich ihn schnell wegräumen kann.
Gleichzeitig erlaube ich mir bewusste „Unordnungs-Inseln“: Material oder Unterlagen für meine Projekte bleibt sichtbar, damit ich jederzeit spontan daran arbeiten kann, ohne vorher erst alles zusammensuchen zu müssen.
3. Plane für Rückschläge
Dranbleiben heißt nicht, perfekt zu sein. Es heißt, nach einem Stolperer wieder aufzustehen. Wer das von vornherein einplant, wird nicht von seinem ersten „Scheitern“ aus der Bahn geworfen.
Die Frage vorab ist also immer: Was könnte alles schiefgehen? Es könnte regnen, es könnte etwas dazwischenkommen, dies das Ananas. Was ist der Alternativplan, wenn es nicht so läuft wie geplant? Geht auch weniger, seltener, kleiner? Alles ist besser als gar nichts. (siehe auch diesen Artikel mit Fehlern & Tipps, wie wir Ziele besser erreichen)
Und selbst wenn wir mal einen Monat nichts machen, fallen wir vielleicht etwas zurück, aber es ist nicht alles verloren. Keine Not, wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen, nur weil wir mal ein paar Tage, Wochen oder Monate keine Energie hatten.
Wir können einfach immer wieder da starten, wo wir zuletzt aufgehört haben. Und wir müssen uns dabei nicht schlecht fühlen, sondern super, weil Dranbleiben auch mit Unterbrechungen funktioniert. Und in der langfristigen Betrachtung kommt es auf kleinere Pausen auch nicht an.
4. Sei gut zu dir selbst – kein Ziel ist zusätzlichen Stress wert
Du wärst nicht hier im Planungsdiva Blog, wenn es dir nicht auch wichtig wäre, deine Ziele entspannt anzugehen. Egal, was du erreichen willst oder woran du dranbleiben möchtest: Du tust es, weil es dir Energie gibt, weil du dich besser fühlst, weil es dich zufriedener macht.
Wenn uns das Dranbleiben aber anfängt zu stressen, uns ein ewiges schlechtes Gewissen macht oder an unserem Selbstwert kratzt, weil wir „wieder nicht drangeblieben sind“, dann wird es Zeit, die eigenen Ziele, Projekte und Motive zu hinterfragen (siehe Punkt 1). Kein Ziel der Welt ist es wert, uns in unserem Alltag an unsere Belastungsgrenzen zu führen.
Den inneren Schweinehund zu überwinden, ist das eine (kurzfristig nervt es sehr), den Streak um jeden Preis – sei es Schlaf, Essen, Pausen oder sonst was – aufrechtzuerhalten, ist etwas anderes. Wenn dir ein Ziel nicht guttut, tausch es aus. Wenn es gerade nicht in dein Leben passt, park es. Wenn du zu viele Ziele hast, priorisiere sie für dich (hier mein Artikel dazu).
Du kannst jederzeit wieder darauf zurückkommen – die meisten Ziele warten auf dich, bis du bereit bist.
Was kurzfristige Ziele & Projekte gut können – und was nicht
Diese kurzen, zeitlich kompakten Ziele haben ihre Berechtigung in einem wichtigen Teilbereich unseres Lebens: Motivation & Selbstwirksamkeit.
Darin sind sie richtig gut:
- Sie motivieren ungemein, weil der Zeitraum & Aufwand gut überschaubar ist.
- Ist das Ziel erreicht, haben wir ein Hochgefühl an Selbstwirksamkeit: Wir haben uns etwas vorgenommen und es auch durchgezogen.
- Vor allem bei Zielen, die wir uns selbst nicht zugetraut hätten, können wir uns beweisen, dass wir Hürden überwinden können.
- Wenn es um einmalige, größere Projekte geht, sind kurzfristige Aktionen perfekt, damit wir uns die Zeit freiräumen, endlich mal anzufangen. Sei es die Digitalisierung alter Unterlagen, Ausmisten oder ein Marathon.
Was kurzzeitige Projekte allerdings nicht so gut können:
- Uns zum langfristigen Dranbleiben motivieren – sie sind auf das Erreichen statt auf das Beibehalten ausgelegt.
- Individuell passende Systeme für den Alltag aufbauen.
- Flexibilität ermöglichen. Es gibt einen festen Plan, aber was passiert danach?
Echtes Dranbleiben: Ein passender, individueller Prozess
Was für mich funktioniert, ist weniger spektakulär, aber deutlich nachhaltiger: Prozess-Denken statt Ziele-Denken. (Aber hey, spektakulär ist mir eigentlich auch viel zu anstrengend ;-))
Der Spruch „Wir nehmen nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten“ trifft es auf den Kopf.
Kurzfristige Ausrutscher sind kein Problem, wenn langfristige, passende Gewohnheiten die Grundlage bilden. Umgekehrt: Ungeliebte Gewohnheiten verschwinden nicht durch eine Gegenaktion von 30 Tagen.
Statt „Ich will 10 kg abnehmen“ frage ich mich: „Was bin ich bereit zu tun, um mich in meinem Körper wohlzufühlen?“
Statt „Ich will endlich organisiert sein“ überlege ich: „Welche kleine Routine hilft mir, langfristig entspannter zu leben?“
Warum das unbequem ist (aber funktioniert)
Diese Art des Dranbleibens ist weniger aufregend als kurzfristige Projekte. Und wahrscheinlich die größere Umstellung, denn du musst entscheiden, was dir wirklich langfristig wichtig ist.
Bist du bereit, auf etwas zu verzichten, um einen bestimmten Lebensstil zu pflegen – sei es Zeit, Geld, Essen, wann du Lust hast? Oder stellst du fest, dass dein „Traumleben“ vielleicht gar nicht so erstrebenswert ist, wie du dachtest – und machst lieber ein paar kleinere Anpassungen in deinem aktuellen Leben, um es dir schöner zu machen?
Dann hast du vielleicht kein kurzfristiges Hochgefühl, eine Herausforderung bewältigt zu haben, aber etwas anderes: Ein Leben, das zu dir passt. Ohne ständige Optimierung, ohne Drama, ohne das Gefühl, immer hinterherzuhinken.
Und mit ein paar Tipps zur Selbstmotivation überbrückst du auch kleinere und größere Durchhänger auf deinem Weg – hier habe ich meine 7 liebsten Tipps aufgeschrieben.
Mein Fazit: Lieber entspannt bleiben als perfekt scheitern
Echtes Dranbleiben kann also heißen, dich zu fragen: „Was brauche ich wirklich, um zufrieden zu sein?“ Und dann Systeme zu bauen, die dir dabei helfen.
Und es lässt sich wunderbar mit spontanen Ideen und kurzfristigen Projekten kombinieren. Für deinen Sportplan kann es motivierend sein, mal an einem Wettkampf teilzunehmen. Das durchbricht die Routine und bringt Spannung in den Alltag.
Wichtig ist es, nach den kurzen, intensiven Phasen wieder in die langfristige Alltagsroutine zu finden. Wie nach jedem Urlaub.
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Bildnachweis: Bild von Steve Johnson auf Pixabay




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